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WAAGEN MAGAZIN

Büroarbeitsplatz mit Monitor und Essmann Wägeprogramm EWP

René Teichmann

30 Jahre EWP: Das Wägeprogramm aus der Praxis des Waagenbaus

EWP, EWPsmart, Waagenbau-Geschichte

Im August 1996 wurde in der Müllverbrennungsanlage Borsigstraße in Hamburg zum ersten Mal eine Software installiert, der damals wohl niemand eine dreißigjährige Zukunft prognostiziert hätte: EWP, die Wägesoftware von ESSMANN. In mehr als 1.000 Kundenprojekten ist sie seitdem zum Einsatz gekommen. Viele Installationen wiegen und buchen bis heute Tag für Tag.

Als ich 2021 gemeinsam mit Dr.-Ing. Fabian Ehmke und Dr.-Ing. Gregor Graßl ein 160 Jahre altes Unternehmen übernommen habe, gehörte auch die damals bereits 25 Jahre alte Software EWP dazu. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich nicht gedacht, dass wir sie noch einmal fünf Jahre lang erfolgreich für unsere Kunden in Einsatz bringen können würden. Schnell habe ich jedoch etwas anderes gelernt: EWP war eine der flexibelsten Wäge-Anwendungen am Markt, gebaut auf einem so stabilen Fundament, dass man sie nicht einfach mal eben austauschen konnte.

Der erste Grund dafür ist die Nähe zur Waage. Software und Wägetechnik kommen bei uns aus einem Haus. Von der Wägezelle bis zum fertigen Wägeschein ist alles aufeinander abgestimmt. Der zweite Grund ist eichrechtliche Sauberkeit als Bauprinzip: Zwischenbelege werden zwangsweise gedruckt, Korrekturen erfolgen ausschließlich über nachvollziehbare Stornos, gelöscht wird nichts. Wer schon einmal eine Diskussion über ein „verschwundenes“ Wiegeergebnis führen musste, weiß, wie wichtig das ist.

Der dritte Grund ist vielleicht der wichtigste: EWP wollte nie mehr sein, als der jeweilige Betrieb braucht. Wer nur wiegen wollte, bekam EWPsmart und konnte ohne Vorwissen loslegen. Wer Fakturierung, Frachtkostenberechnung, Kontingentverwaltung oder Kartenzahlung benötigte, wählte EWP und ergänzte exakt die Funktionen, die tatsächlich genutzt wurden. Niemand zahlt gern für Funktionen, die er nie anfasst.

Mann mit Brille arbeitet konzentriert am Bürocomputer
EWP-Entwickler Sharam Gödel beim Support vor Ort bei einem Kunden. Er entwickelte die Grundlage des heutigen EWP, das im August 1996 als erste EWP-Version bei MVB in Hamburg installiert wurde. Ab 2007 wechselte er zu anderen Arbeitgebern, unter anderem einem Online-Nachrichten-Magazin und einem Spiele-Entwickler. 2017 kehrte er mit frischem Wissen zurück zu ESSMANN.

Weiterentwickelt wurde die Software währenddessen die ganze Zeit. Aus dem alten Abfallschlüssel-Katalog wurde der Europäische Abfallkatalog, daraus die Abfallverzeichnis-Verordnung - beides wanderte ins Programm. Selbst die Kassensicherungsverordnung mit ihrer Pflicht zur digitalen Signatur fand noch ihren Weg in eine fast dreißig Jahre gewachsene und permanent überarbeitete Software. Über die Jahre kamen weit mehr als tausend dokumentierte Änderungen zusammen. Das ist eine Software, die leise, aber kontinuierlich gepflegt und weiterentwickelt wurde.

30 Jahre EWP · 1996 – 2026

EWP - Die Reise einer Wägesoftware

Von der Auftragsentwicklung für eine einzige Hamburger Anlage zum modularen Wägeprogramm, das über tausendmal in ganz Deutschland zum Einsatz kam - und drei Jahrzehnte lang einfach lief.

30 Jahre im Einsatz, von 1996 bis 2026
1.000+ Modul-Einsätze in der Praxis
20+ Module vom Wägen bis zur Faktura

August 1996

Der Anfang: eine Software für ein einziges Werk

EWP geht bei der Müllverbrennungsanlage Borsigstraße in Hamburg in Betrieb - bestellt von der Stadt Hamburg, geschrieben für genau diesen einen Betrieb. Dass eine Abfallanlage die erste Anwenderin war, prägt EWP für immer: Entsorgungsnachweise, Abfallschlüsselnummern und Betriebstagebuch sind von Beginn an eingebaut.

1996 – 1997

Aus der Einzelanfertigung wird ein Produkt

Nach der Inbetriebnahme in Hamburg wird EWP für den allgemeinen Markt weiterentwickelt - mit einem Ablauf, den jeder Betrieb nach seinen eigenen Anforderungen einrichten kann. In dieser Phase entsteht der modulare Aufbau, der EWP die kommenden Jahrzehnte trägt.

Oktober 1997

EWP kommt auf den Markt

EWP wird als neue Software beworben, gut ein Jahr nach der Erstinstallation. Schon damals im Angebot: die Übergabe an übergeordnete Systeme wie SAP und AS/400 sowie Schnittstellen zu den gängigen Office-Anwendungen.

1998

Gerüstet für Euro und Jahrtausendwechsel

Ein Werbebrief von 1998 argumentiert mit den großen Themen der Zeit: EWP ist Jahr-2000-fähig und hat den Euro bereits in der Barkasse integriert - Jahre vor der eigentlichen Bargeldumstellung. Zwei gefürchtete Umstellungen, die für EWP-Anwender folgenlos blieben.

Januar 2000

Der Millennium-Bug bleibt aus

Während anderswo Rechner auf den großen Absturz vorbereitet werden, wiegt EWP am Neujahrsmorgen einfach weiter, als wäre nichts gewesen. Für einen Betrieb, der auf verlässliche Wägedaten angewiesen ist, ist genau das der Idealfall.

2000er-Jahre

Eine ganze Produktfamilie

Aus EWP wird eine Familie: die schlanke Variante EWPsmart für den schnellen Einstieg erscheint, eine EWP-Version für Gleiswaagen mit dynamischer Zugverwägung, eine für Silo- und Umschlagwaagen mit bis zu vier Waagen an einem Rechner, und eine für Biogasanlagen und die Landwirtschaft mit Fahrerselbstbedienung per Funkhandsender.

2005 – 2014

Immer am Recht entlang

EWP wächst mit den Vorschriften: vom alten Abfallschlüssel-Katalog über den Europäischen Abfallkatalog bis zur Abfallverzeichnis-Verordnung. Bis 2014 umfasst die Modulübersicht über zwanzig Bausteine - vom Betriebstagebuch bis zur Frachtkostenberechnung.

2024

Auch mit Ende zwanzig noch dazugelernt

Selbst die Kassensicherungsverordnung, die Betriebe mit Barkasse zur digitalen Signatur ihrer Belege verpflichtet, findet noch ihren Weg in die inzwischen fast dreißig Jahre alte Software.

September 2025

Die letzte größere Codeänderung

Der letzte dokumentierte Eintrag in der Entwicklungshistorie stammt vom September 2025 - keine zehn Monate, bevor nun der Nachfolger EWA System startet. EWP wird bis zuletzt gepflegt - und weiterhin supportet.

Juli 2026

Altersteilzeit nach erfüllter Aufgabe

Nach 30 Jahren geht EWP aus dem Neugeschäft - es wird abgelöst vom neuen EWA System. Bestehende EWP-Installationen laufen weiter und werden selbstverständlich weiter betreut. Das gesammelte Wissen aus drei Jahrzehnten steckt heute im Nachfolger: browserbasiert, medienbruchfrei, flexibel - und für die nächsten Jahrzehnte gebaut.

Willkommen im EWA System.
Die neue Softwareplattform, die das Wissen und das Erbe von EWP sicher in die nächsten Jahrzehnte trägt.

Warum EWP jetzt abgelöst wird

Warum also ablösen, was so zuverlässig läuft? Weil sich die Welt um EWP herum verändert hat. Eine Software von 1996 sitzt fest auf einem Rechner im Wägehäuschen. Sie kennt kein Tablet, kein Smartphone und keinen Zugriff von unterwegs. Für die Aufgabe, für die sie gebaut wurde, war das genau richtig. Für die Art, wie Betriebe heute arbeiten wollen, ist es das nicht mehr.

Industrieller Arbeitsplatz mit Beladungssteuerung auf Monitor

Deshalb haben wir das gesamte Wissen aus dreißig Jahren EWP genommen und auf einer zeitgemäßen, sicheren technischen Basis neu aufgesetzt: das EWA System. Alles, was EWP im Zusammenspiel mit unterschiedlichen Waagen, in unterschiedlichen Branchen und unter unterschiedlichsten Bedingungen gelernt hat, steckt heute darin und wird weiterhin ausgebaut - browserbasiert, mobil bedienbar und für die kommenden Jahrzehnte gerüstet.

Jahrzehnte Erfahrung, neue Technologien

Dass wir auf ein so geballtes Wissensfundament neu aufsetzen können, verdanken wir vor allem unseren Senior-Entwicklern, die ESSMANN - teils mit Unterbrechungen - seit der ersten EWP-Stunde zur Seite stehen. Während EWP-Erstentwickler Sharam Gödel und EWP-Ausbauer und EWPsmart-Entwickler Martin Schababerle zwischendrin einige Jahre andere Projekte begleitet haben, unter anderem bei einem Online-Nachrichten-Magazin und einem Flugzeugbauer, ist Reinhard Ruhrig seit 1998 durchgehend bei ESSMANN und hat in dieser Zeit unzählige Anpassungen für Kunden vorgenommen.

EWP-Entwickler Sharam Gödel mit weißem Schutzhelm und verschränkten Armen vor dem ESSMANN-Gebäude in Hamburg
Sharam Gödel ist Mann der ersten Stunde. Nach dem Wechsel zu anderen Unternehmen kam er 2017 zurück ins ESSMANN-Team und sorgt für Stabilität.
Mitarbeiter von Essmann Waagen & Automatisierung lächelt
Martin Schababerle ist seit 2021 wieder im ESSMANN-Team. Er ist Mastermind des neuen EWA Systems, das von seiner Erfahrung profitiert.
Lächelnder Mann mit Daumen hoch vor Essmann-Firmengebäude
Reinhard Ruhrig ist auch heute noch über seinen Renteneintritt hinaus mit seinem wertvollen EWP-Wissen Teilzeit-Mitglied im EWP-Team.

Das Senior-Team ist seit 2021 wieder komplett. Mit seinem Wissen über EWP und die Branche - und mit zusätzlichen Erfahrungen, die es andernorts gesammelt hatte. Damit kehrte nicht einfach nur Vertrautes zurück, sondern geballtes Wissen, aufgefrischt durch neue Perspektiven.

Heute arbeiten sie mit unseren jungen IT-Kollegen zusammen, die in den aktuellsten Technologien auf dem neusten Entwicklungsstand sind. Gemeinsam entwickeln sie unter anderem das neue EWA System. Das ist nur möglich, weil wir generationenübergreifend eine wertschätzende Kultur und ein respektvolles Miteinander auf Augenhöhe leben - und darüber bin ich sehr dankbar. Wir wissen, was wir daran haben.

EWP geht jetzt in Altersteilzeit

Wer EWP heute im Einsatz hat, merkt von der Ablösung zunächst nichts: Bestehende Installationen laufen weiter und werden weiterhin gut durch unser Team betreut. Die neuen Geschichten schreibt ab jetzt das EWA System. EWP hat dreißig Jahre lang bewiesen, was eine solide Wägesoftware ausmacht - und sich diesen Weg in die Altersteilzeit redlich verdient.

Was 1996 in Hamburg begann, geht jetzt mit dem EWA System in die nächste Runde - wir freuen uns, wenn Sie es kennenlernen möchten.

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